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Autolexikon
Geschichte des Automobils

 

 

BUGATTI

Bugatti ist ein Automobilhersteller aus Molsheim im Elsass, zunächst Deutschland und nach dem Ersten Weltkrieg Frankreich. Seine Produktion lief von 1909 bis 1963. Die Firma wurde von Ettore Bugatti gegründet.

Bugatti gehört zu den berühmtesten Automarken überhaupt und gilt als die exklusivste französische Fahrzeugmarke der Automobilgeschichte. Die von Bugatti gefertigten Fahrzeuge hatten den Ruf, die besten Sportwagen ihrer Zeit zu sein und machten die Marke zu einer Legende. Der ursprüngliche Bugatti-Betrieb ging nach dem Zweiten Weltkrieg unter, aber die Marke erstand gleich zweimal wieder neu auf. Seit 1998 firmiert sie unter Volkswagen-Federführung.

Historische Bugatti-Rennwagen

Historischer Bugatti-Rennwagen

Unter Bugatti (bis 1947)

Geschichte - Die Anfänge

Der Automobil-Designer und -hersteller Ettore Arco Isidoro Bugatti wurde am 15. September 1881 in Mailand, Italien geboren als Kind einer bekannten Künstlerfamilie, die ihre Wurzeln in Norditalien hat. Er war der ältere Sohn von Carlo Bugatti (1856 – 1940), ein wichtiger Möbelhersteller der Epoche des Art Nouveau und Juwelen-Designer, und seiner Frau Teresa Lorioli. Sein jüngerer Bruder war ein bekannter Tierbildhauer, Rembrandt Bugatti (1884 – 1916). Seine Tante, Luigia Bugatti, war die Ehefrau des Malers Giovanni Segantini. Sein Großvater väterlicherseits, Giovanni Luigi Bugatti, war Architekt und Bildhauer.

Obwohl in Italien geboren, gründete Ettore Bugatti seine Automobilfabrik in Molsheim im Elsass, das damals zum deutschen Kaiserreich und erst nach dem Ersten Weltkrieg zu Frankreich gehörte. Die Gesellschaft war bekannt für ihre hervorragende Ingenieurskunst bei Hochklasse-Automobilen und für Erfolge bei den frühen Grand-Prix-Rennen; man gewann den allerersten Grand Prix von Monaco. Der Erfolg der Gesellschaft hatte seinen Höhepunkt im zweimaligen Doppelsieg im 24-Stunden-Rennen von Le Mans mit dem Fahrer Jean-Pierre Wimille 1937 (1937 mit Robert Benoist und 1939 mit Pierre Veyron).

Modelle unter Bugatti

Nur einige wenige Modelle der Autos von Ettore Bugatti wurden produziert: die berühmtesten waren der Type 35-Rennwagen, der riesige Royale, und der Type 55-Sportwagen.


Aufgrund der Provokation einer Kundin entschloss Ettore Bugatti sich in den zwanziger Jahren zum Bau des T 41 "Royale", einer kolossalen Limousine, die in Ausmaßen, Luxus und Fahrleistungen die damaligen Luxushersteller wie Rolls-Royce, Hispano-Suiza oder Duesenberg deklassieren sollte. Das Projekt gelang in der Umsetzung, jedoch hatten die anvisierten gekrönten Häupter Europas kein Interesse an dem Wagen und die Weltwirtschaftskrise ließ die "weltliche" Kundschaft förmlich wegbrechen. So wurden nur sechs Chassis des T 41 gebaut, die insgesamt elf verschiedene Karosserien erhielten. Dieses Projekt bedeutete fast den Ruin der Marke Bugatti; Ettore konnte sich retten, indem er den Auftrag für den Entwurf eines Schienenfahrzeugs bekam, das er mit den riesigen Achtzylindermotoren des Royale bestücken konnte und welches noch Jahrzehnte in Frankreich in Betrieb war.


Der am meisten produzierte und wirtschaftlich erfolgreichste Wagen war der T 57, das in den Jahren vor dem Krieg einzige serienmäßig produzierte Chassis/Fahrzeug bei Bugatti.

Eine Inkunabel des Art-Déco-Designs und einer der spektakulärsten Entwürfe von Jean Bugatti war der Typ "Atlantic" auf Basis des T 57, der nur dreimal (plus einem verschollenen Prototyp) produziert wurde. Seine geduckte Form, die längs über die Karosserie verlaufenden senkrechten, genieteten Grate und die tropfenförmigen Seitenfenster lassen den Wagen damals wie heute "wie von einer anderen Welt" erscheinen.


Über die gesamte Produktion von annähernd 7900 Wagen hinweg wurden die Modelle mit dem Buchstaben T (für Typ) und einer Nummer benannt, die auf das Fahrgestell und den Antriebsstrang hinwies.

Rennerfolge

Motor eines Type 37 A mit Kompressor
Motor eines Type 37 A mit Kompressor


Bugatti-Wagen waren außergewöhnlich erfolgreich bei Rennen, mit Tausenden von Siegen in nur wenigen Jahrzehnten. Der kleine Bugatti Type 10 belegte die vier ersten Plätze in seinem allerersten Rennen.

Der 1924 erschienene Bugatti Type 35 ist wahrscheinlich der erfolgreichste Rennwagen aller Zeiten mit über 2000 Siegen. Bugatti gewann die Targa Florio fünfmal von 1925 bis 1929. Louis Chiron hielt die meisten Siegertreppchen-Plätze mit Bugatti-Wagen, und die Bugatti-Gesellschaft des 21. Jahrhunderts ehrte ihn mit dem Bugatti Chiron, der zu seiner Ehre benannt ist. Aber es ist der letzte Rennerfolg bei dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans, an den man sich meistens erinnert — Jean-Pierre Wimille und Louis Veyron gewannen das 1939er Rennen mit nur einem Auto und wenigen Hilfsmitteln.

Das Ende

Ettore Bugatti entwarf auch einen erfolgreichen Schienenbus, den Autorail, und ein Flugzeug, das jedoch niemals flog. Sein Sohn Jean Bugatti starb am 11. August 1939 im Alter von 30, als er einen 57C-Rennwagen nahe der Fabrik in Molsheim testete. Hiernach sank der Stern. Der Zweite Weltkrieg ruinierte die Fabrik in Molsheim, und die Gesellschaft erholte sich hiervon nicht mehr. Nach dem Krieg wurde der Typ 101 vorgestellt, der - mit einer nun dreistelligen Kennzahl - den Aufbruch in eine neue Zeit darstellen sollte. Der nur in wenigen Einzelstücken (Limousine und Cabriolet) gebaute Wagen basierte auf dem Chassis des T 57, das schon vor dem Krieg nicht mehr dem Stand der Technik entsprach. Der Geschmack der Kundschaft hatte sich gewandelt, und die Karosserien des 101 waren zwar extravagant, besaßen aber nicht mehr die genialische Eleganz der Jean-Bugatti-Entwürfe, und somit fiel die Resonanz verhalten aus. Nach Ettores Tod führte sein Sohn Roland Bugatti die Geschäfte, allerdings eher glücklos. Ein von ihm konzipierter Rennwagen aus den fünfziger Jahren blieb ebenfalls erfolglos. Bis 1963 führte das Unternehmen dann noch Reparaturen und Umbauten alter Bugatti durch, bis die Marke mit der ebenfalls im Krieg untergegangenen Automobillegende Hispano-Suiza fusionierte (die trotz des Namens frühzeitig in Frankreich produzierte) und anschließend alles im Konzern Messier-Bugatti aufging.

Am historischen Ort der ursprünglichen Fabrik existiert heute eine Fabrikationsstätte der Firma Messier-Bugatti (Teil des Konzerns Safran), die Teile für den Schienenverkehr und die Luftfahrt herstellt. Die Firmengründer waren Ettore Bugatti und George Messier. Der ursprüngliche Firmensitz, das kleine Schlößchen "Chateau St. Jean", und die begleitenden Remisen wurden unter der Volkswagen AG aufwendig saniert und dienen heute - wie schon zu Ettores Zeiten - als Repräsentanz der Marke Bugatti. Die alte Fertigung wurde durch ein futuristisches "Atelier" auf der anderen Seite des Schlosses ersetzt, so daß Bugatti noch immer (bzw. nach der Artioli-Episode jetzt wieder) am historischen Standort in Molsheim produziert.


Ettore Bugatti starb am 21. August 1947 und wurde auf dem Friedhof in Dorlisheim im Familiengrab der Bugattis bestattet.

Sammler

Heutzutage gehören originale Wagen von Ettore Bugatti zu den weltweit begehrtesten Autos, und sie erzielen Preise bis zu 10 Millionen Euro.

Die bekanntesten Bugatti-Sammler waren die Brüder Fritz und Hans Schlumpf, die eine Textilfabrik in Mülhausen (Elsass) betrieben, nahe bei der ehemaligen Bugatti-Fabrik. Zwischen 1958 und 1975, als ihre Fabrik in Konkurs ging, sammelten sie insgeheim eine große Anzahl bemerkenswerter Wagen, heute als „Sammlung Schlumpf“ bekannt. Die Fabrik, in denen die Bugattis aufbewahrt wurden, wurde in eines der weltweit großartigsten Automuseen verwandelt, das Musée National de l'Automobile.

Spätere Bugattis unter Romano Artioli (1987–1998)

Geschichte

1987 kaufte Romano Artioli, ein Italienischer Unternehmer, den legendären Namen Bugatti und gründete die Bugatti Automobili SpA. Die neue Gesellschaft gründete eine moderne Fabrik, die von dem Architekten Giampaolo Benedini in Campogalliano, Italien geplant und auch gebaut wurde, einer Stadt nahe bei Modena, der Heimat traditionsreicher Leistungs- und Sportwagenhersteller wie Ferrari, De Tomaso, Lamborghini und Maserati.


1989 wurden die Pläne für eine Wiederbelebung für Bugatti präsentiert von Paolo Stanzani, dem berühmten Designer der Lamborghini Miura und Countach. Der erste fertiggestellte Wagen wurde Bugatti EB110 GT genannt, angekündigt als der technisch am weitesten fortgeschrittene Supersportwagen, den es je gegeben habe. Tatsächlich ist der allradgetriebene EB 110 einer der fahrsichersten Supersportwagen, der jemals gebaut wurde. Die "110" im Namen stand für den 110. Geburtstag des Firmengründers Ettore Bugatti im Jahr 1991, in dem der EB110 GT auf den Markt kommen sollte.


Am 27. August 1993 kaufte Romano Artioli über seine Holdingesellschaft ACBN Holdings S.A. in Luxemburg die Firma Lotus von General Motors. Der Kauf brachte zwei der größten Namen in der Automobil-Renngeschichte zusammen. Pläne entstanden, die Gesellschaftsanteile an internationalen Börsen einzuführen. Außerdem wird 1993 der Prototyp einer viertürigen Sportlimousine mit Namen "EB112" in Genf vorgestellt, die speziell für den US-Markt entwickelt wurde. 1994 erscheint auf Basis des EB110 GT die gewichtsreduzierte und kraftvollere Variante "EB110 Supersport".

In der Zeit, als der EB110 auf den Markt kommen sollte, befanden sich die europäische und nordamerikanische Wirtschaft in einer Rezession und der Geschäftsbetrieb schlug im September 1995 fehl. Zu diesem Zeitpunkt waren die Entwicklungen für den EB112 in vollem Gange, mussten nun aber abgebrochen werden. Das Konzept diente als Basis für die beiden ersten Italdesign-Entwürfe für Volkswagen, die Modelle "EB118" und "EB218". Noch nicht komplettierte Chassis des EB110 sowie alle Ersatzteile und Werkzeuge sowohl zum Bau als auch zur Wartung des EB110 gingen nach Deutschland in die Hände von Jochen Dauer (bekannt durch Renneinsätze u.a. mit dem Porsche 962C in Le Mans), der aus den Chassis weiterhin fertige Autos baut und diese als Dauer EB110 Supersport verkauft.

Aktuell unter der Volkswagen AG (ab 1998)

Geschichte

EB 218 (IAA 1999)

EB 218 (IAA 1999)

Die Volkswagen AG kaufte die Rechte, Autos unter dem Markenzeichen Bugatti zu bauen, im Jahr 1998. Sie beauftrage die Firma Italdesign, das Bugatti EB 118-Konzept zu bauen, einen Reisewagen mit einer 414 kW (555 PS)–Maschine und dem ersten 18-Zylinder-Motor überhaupt als Autoantrieb. Die Vorstellung war auf der Mondial de l'Automobile in Paris.


Im Jahr 1999 wurde das Bugatti EB 218-Konzept auf dem Genfer Auto-Salon eingeführt; später im selben Jahr wurde der Bugatti 18.3 Chiron eingeführt auf der IAA in Frankfurt am Main. Auf der Tokyo Motor Show erschien der EB 218 erneut, und der Bugatti Veyron EB 18.4 wurde präsentiert als die erste Verkörperung eines Serienfertigungswagens für die Straße. Alle hatten sie achtzehn Zylinder.

Veyron 16.4 Konzeptstudie

Veyron 16.4 Konzeptstudie

2000 gründete Volkswagen die Bugatti Automobiles S.A.S. und führte auf den Autosalons in Paris, Genf und Detroit das EB 16/4 Veyron-Konzept ein, einen allradgetriebenen 16-Zylinder-Wagen mit einer Leistung von 1001 PS (736 kW) aus 8,0 Liter Hubraum mit vier Turboladern mit einer anvisierten Höchstgeschwindigkeit von 406 km/h. Damit ist er der leistungsstärkste und schnellste Supersportwagen, der jemals gebaut wurde. Bei Beschleunigungstests hat der Veyron nach 2,5 Sekunden Tempo 100 km/h, nach 7,3 s 200 km/h und nach 16,8 s 300 km/h erreicht.


Die Entwicklung dauerte zunächst bis 2001, und der EB 16/4 Veyron wurde beworben mit einem „Advanced-Concept“-Status. Ende des Jahres 2001 kündigte Bugatti Automobiles S.A.S. an, dass der Wagen nun offiziell Bugatti Veyron 16.4 genannt werde. Zunächst war der Produktionsstart für 2003 vorgesehen. Finanzielle und insbesondere technische Schwierigkeiten mit dem Schaltgetriebe und den ungewöhnlichen extremen Anforderungen bei Geschwindigkeiten über 300 km/h führten jedoch zu diversen Verzögerungen und Wechseln der Projektleiter. Letztendlich begann die Produktion im September 2005. Die erste Jahresproduktion von 50 Stück soll bei Stückpreisen von ca. 1,16 Mio. Euro bereits ausverkauft sein. Bei inoffiziellen Messungen übertraf der Veyron seine vorgesehene Höchstgeschwindigkeit um einen km/h.

Die Jahresproduktion soll nun wegen der langen Wartezeiten auf 70 Einheiten aufgestockt werden (die Gesamtproduktion wird bei 300 belassen).